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Pflug & Trug

Tagesspiegel (Berlin) berichtet am 5. März 2017

Auf den ersten Blick ist es eine Provinzposse um ein Güllefass in Mecklenburg. Doch dann zeigt sich: Hier, wo die LPGs ab 1990 privatisiert wurden, herrschen die alten DDR-Eliten

Dass es gärt hier oben, hatte der Aufrührer schon mitbekommen, als er Anfang der 1990er Jahre hergezogen war. Er hatte Gesprächen zugehört, beim Feierabendbier, auf der Straße, bei Besuchen beim Bürgermeister. Es ging um die Landwirtschaft in seiner neuen vorpommerschen Heimat und darum, dass ausgerechnet die alten Ackerherren die neuen geblieben sind. Dass sie flächendeckend Rechtsbruch begangen haben sollen, damals, als anstand, den DDR-Sozialismus in den Kapitalismus der Bundesrepublik zu verwandeln. Kleine Bauersleute wurden übervorteilt von den wenigen Großen, hier im einstigen DDR-Bezirk Rostock, längst Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern.

Heute sagt der Aufrührer: „Eine Zeitbombe, habe ich gedacht damals.“ Er hatte keine Ahnung, dass die Bombe auch im restlichen Ostdeutschland tickte. Und erst recht ahnte er nicht, einmal derjenige zu sein, der eine Explosion auslöst.

Karl Valta heißt der Mann, und er hat eine Bürgerinitiative gegründet. Nun steht er an einer Alleenkreuzung im Nichts zwischen Anklam und Wolgast und hält ein Transparent in die Luft. Ein düsterer Ort ist das im Winter – Dunst und Nebel ziehen durch Baumskelette -, im Sommer zeigt sich ein Bilderbuch-Vorpommern. Alles ist Licht, und alles ist dann grün. Tourismus-Werber lassen Fotos machen, wenn die Sonnenstrahlen durchs Laub flimmern. Üblicherweise ist man hier allein.

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